Stephan Voswinkel
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Arbeitssoziologie


Arbeit hat ihre Bedeutung als zentraler Bezug und Gehalt menschlicher Identität und Vergesellschaftung nicht eingebüßt. Die Veränderung der Arbeit ist daher nach wie vor besonders folgenreich für die Entwicklung der Gesellschaft und der menschlichen Subjektivität.

Arbeit ist sowohl instrumentell notwendig zum Erwerb der Lebensmittel als auch in expressiver Weise Medium menschlicher Selbstachtung und Anerkennung. Beides hat die Arbeitssoziologie zu berücksichtigen. Die Anwendung der Arbeitskraft ist nicht von der Personalität der Arbeitenden zu trennen. Arbeit ist somit nicht nur Teil des Wirtschaftssystem, sondern bildet eine Lebenswelt im Betrieb aus. Anforderungen effektiver Arbeit konfligieren z.T. mit Anforderungen aus der außerbetrieblichen Lebenswelt. Das erfahren derzeit vor allem die Frauen, denen die Vereinbarung von Arbeit und Familie überwiegend zugewiesen wird. Ein umfassender Begriff von Arbeit müsste daher in der Arbeitssoziologie nicht nur die Erwerbsarbeit umfassen.

Häufig steht in Forschung und Lehre jedoch die instrumentelle Dimension einseitig im Vordergrund. Demgegenüber muss Arbeit auch als wesentlicher Faktor der Identität und der sozialen Anerkennung bzw. Missachtung betrachtet werden. Sie wird in modernen Gesellschaften überwiegend organisiert, also in Organisationen geleistet. Daher sind von der Arbeitssoziologie sowohl die Herrschaftsförmigkeit von Organisationen als auch die Machtasymmetrie zwischen Kapital und Arbeit auf dem Arbeitsmarkt zu berücksichtigen.

Verschiedene Arbeitsfelder, Berufe und Branchen haben unterschiedliche Leitbilder und Normen richtiger Arbeit ausgebildet, so dass sich verschiedene Arbeitskulturen zwischen Organisationen, Berufen, Branchen, Regionen und Nationen unterscheiden lassen. Sie zeigen sich etwa in differierenden Vorstellungen darüber, was als Leistung zu bewerten ist. Die soziale Bedeutung und normative Bewertung von Arbeit ist daher in einem kulturellen Kontext eingebettet und entsprechend von einer kultursoziologisch informierten Arbeitssoziologie zu rekonstruieren. Das wird in besonderer Weise deutlich, wenn man sich mit der Dienstleistungsarbeit beschäftigt.

In neuerer Zeit werden traditionelle Arbeitstugenden im Sinne des Pflichtethos immer weniger gesellschaftlich anerkannt. Diese Entwicklung korrespondiert einerseits mit gestiegenen Ansprüchen eines großen Teils der Erwerbstätigen und –suchenden an ihre Arbeit, andererseits mit dem Wandel der Arbeitsanforderungen, der sich aus der in vielen Bereichen beobachtbaren Abkehr von tayloristisch-fordistischer Arbeitsorganisation ergibt. Der Begriff der “Subjektivierung der Arbeit” bezeichnet hierbei einen höchst ambivalenten Prozess, bei dem Autonomiegewinne in der Arbeit mit gestiegenem Arbeitsdruck und Risiko einhergehen. Weil Autonomie und Selbstorganisation in z.T. paradoxer Weise gefordert sind, resultieren Zwänge der Selbstdarstellung und Zuschreibungen von Selbstverantwortlichkeit. Besonders problematisch kann diese Entwicklung werden, wenn Anerkennung für die “selbstverantwortlichen” und “selbständigen” Beschäftigten ausbleibt und Routinearbeiter und “Looser” Missachtung erfahren.

Meine Arbeit konzentrierte sich bisher vor allem auf die Entwicklung der Anerkennung von und in Arbeit, auf die Veränderung von Beschäftigungsverhältnissen durch Leiharbeit, befristete Arbeitsverträge und Teilzeitarbeit, auf die Entwicklung der industriellen Beziehungen, die Analyse bestimmter Branchen(kulturen) wie der Bauwirtschaft und der interaktiven Dienstleistungen.