Stephan Voswinkel
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Ansprüche an Arbeit und berufliche Entwicklung

Das Forschungsprojekt untersucht, inwiefern die Beschäftigten durch den Wandel der Arbeitswelt, die Beschäftigungsunsicherheit und durch die in den öffentlichen Diskursen an sie adressierten, widersprüchlichen Erwartungen verunsichert sind und wie sich diese Entwicklungen auf ihre Anspruchshaltungen an die Arbeit und ihre biographischen Orientierungen auswirken. Das Projekt nimmt die „NormalarbeitnehmerInnen“ in den Blick, also Facharbeiter/innen und mittlere Angestellte aus dem industriellen Sektor und den privaten und den öffentlichen Dienstleistungen, die zum Zeitpunkt der Erhebung nicht unmittelbar von Personalabbau oder Prekarisierung bedroht sind. Da die Erhebung für einen Zeitraum geplant ist, in dem die Beschäftigten bereits Erfahrungen mit den Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise gemacht haben, werden auch erste Analysen über die Verarbeitung der Wirtschaftskrise möglich sein. Somit kann das Projekt mit seinen Untersuchungsergebnissen zur subjektiven Perspektive und zu den Anspruchs- und Wertorientierungen der Beschäftigten einen Beitrag für die Entwicklung gesellschaftspolitischer Konzepte und Initiativen leisten.

Die Fragestellungen des Projekts richten sich auf die Ansprüche an die Arbeit und die berufliche Entwicklung, die Wahrnehmung von Realisierungsmöglichkeiten und –hemmnissen, auf den Umgang mit Unsicherheit und die artikulierte Kritik der Interviewten. Diese Entwicklung von Anspruchshaltungen will das Projekt bezogen auf die persönlichen Lebensentwürfe und Arbeitsorientierungen analysieren. Hierfür ist eine prospektiv-biographische Erhebungsmethode angemessen: In Interviews über Pläne, Wünsche, erwartete Realisierungsmöglichkeiten und restriktionen für die weitere Entwicklung der Erwerbsbiographie und die Qualität der Arbeit auf der einen Seite, über die bisherige Biographie und die hier beobachtbaren Veränderungen von Anspruchshaltungen auf der andern Seite werden persönlich relevante Anspruchshaltungen und ihre Veränderung durch Verunsicherung und Wirtschaftskrise deutlich. Die Biographie ist dabei Zugangsweise, nicht selbst das Untersuchungsziel. Bei der Erarbeitung generalisierender Schlussfolgerungen bezieht das Projekt vorliegende quantitative Daten zu den Arbeitsansprüchen und –orientierungen der Beschäftigten ein.

Das Projekt will durch den Fokus auf die zum Zeitpunkt der Erhebung relativ wenig direkt Bedrohten herausarbeiten, welche generalisierende Breitenwirkung die Flexibilisierung und Prekarisierung der Beschäftigung im Allgemeinen und die Erfahrungen der Wirtschaftskrise im Besonderen über den Bereich der unmittelbar massiv Betroffenen hinaus für die Entwicklung von Anspruchshaltungen gewinnt. Anders formuliert: Wie verarbeiten die (noch) nicht prekär Beschäftigten und diejenigen, die (noch) nicht unmittelbar von Personalabbau betroffen oder bedroht sind (aber vermutlich Verunsicherung und Angst empfinden), diese Prozesse und Diskurse?

Das Projekt wird von der Hans-Böckler-Stiftung gefördert und hat im September 2010 die Arbeit aufgenommen. Es wird bearbeitet von Stefanie Hürtgen und Stephan Voswinkel.